Die Mutter aller Panschereien
Vor 25 Jahren schreckten Berichte über verseuchten Wein die Verbraucher auf. Dem Glykol-Skandal folgten viele weitere Lebensmittelskandale. Damals war Frostschutzmittel im Wein: Der Glykol-Skandal von 1985 löste die erste große Debatte um verseuchte Lebensmittel aus.
Der 9. Juli 1985 war der Tag, an dem Bundesgesundheitsminister Heiner Geißler die deutsche Öffentlichkeit vor dem Genuss österreichischen Prädikatsweines warnte. Der könne mit der gesundheitsgefährdenden Chemikalie Diethylenglykol verseucht sein.
Was damals mit dem Glykolskandal seinen Lauf nahm, ist quasi der Anfang aller Lebensmittelskandale in Deutschland. Der Glykolwein-Skandal wurde wenig später vom Flüssigei-Skandal bei Birkel-Nudeln gefolgt, und es lässt sich über Nitrofen und BSE eine Kette bis zum Gammelfleisch flechten: nachlässige oder gar kriminelle Erzeuger, alarmierte Verbraucher und eine verunsicherte Politik.
Schon im Januar 1985 hatten Chemiker einer staatlichen österreichischen Untersuchungsanstalt Weine des Jahrgangs 1983 analysiert und dabei bis zu drei Gramm der Chemikalie pro Liter gefunden. Doch wie es zu guten Skandalen gehört, wurde erst einmal geschwiegen. Es wurde April, bis die Öffentlichkeit informiert wurde. Und das auch nur, weil anonyme Anzeigen schon für Aufmerksamkeit gesorgt hatten. Am 24. April gelangte die erste Mitteilung nach Deutschland, an einen Mitarbeiter des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Eine Art Weinpanik nahm ihren Lauf.
Die Verbraucher warfen ihre edlen Tropfen in die Tonne. Österreichische aber auch Deutsche Weine waren im Ausland praktisch unverkäuflich und im Inland nur noch schwer.
Der Skandal brachte einige Änderungen an den Weingesetzen. Österreich erließ in kürzester Zeit ein sehr strenges Weingesetz. Ähnlich war es in Deutschland.Weil die Massenweine nicht mehr zu verkaufen waren, setzten Winzer auf Qualität. Sie übernahmen Techniken aus dem Ausland, experimentierten mit neuen Trauben und änderten die Anbaumethoden. „Seien wir ehrlich: Früher war es nicht selbstverständlich, dass Weine sauber waren“, sagte Steffen Christmann, Präsident des Verbandes der Prädikatsweingüter, vor nicht allzu langer Zeit in einem Interview.
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